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Good Bye, Lenin!
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Good Bye, Lenin! (von englisch good-bye âAuf Wiedersehenâ) ist ein deutscher Spielfilm von Wolfgang Becker aus dem Jahr 2003. Familien- und Zeitgeschichte verbindend, umspannt er das Jahr der Wende und erzählt von einer Frau, die im Oktober 1989 ins Koma fällt, die darauffolgenden UmbrĂźche âverschläftâ und nach Wiedererwachen von ihrem Sohn in der Illusion gehalten wird, sie lebe nach wie vor in der âaltenâ DDR.cite-ref-3[3]
Die TragikomĂśdie mit Daniel BrĂźhl und Katrin Sass in den Hauptrollen wurde zur Berlinale 2003 uraufgefĂźhrt und hatte auĂerordentlichen Erfolg im In- und Ausland, beim Publikum wie bei der Kritik. Good Bye, Lenin! erhielt zahlreiche Preise, unter anderem den Felix und den franzĂśsischen CĂŠsar, beide in der Kategorie âBester europäischer Filmâ.
Contents
⢠Handlung
⢠Entstehung
⢠Drehbuch
⢠Casting
⢠Form und Stil
⢠Bildgestaltung
⢠Voiceover
⢠Ironie
⢠Archivmaterial
⢠Filmmusik
⢠Leitmotiv
⢠Filmzitate
⢠Rezeption
⢠National
⢠International
⢠Auszeichnungen
⢠Interpretation
⢠Hintergrund
⢠Anmerkungen
⢠Filmfehler
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Handlung
Die vierkĂśpfige Ost-Berliner Familie Kerner fĂźhrt ein intaktes, scheinbar glĂźckliches Leben â bis zum Sommer 1978, als der Vater sich in den Westen absetzt. Seine Frau Christiane reagiert mit einer schweren Depression. Nach acht Wochen Psychiatrie kehrt sie jedoch âwie verwandeltâ zu ihren Kindern Ariane (13) und Alexander (âAlexâ, 10) zurĂźck. Fortan geht sie auf in ihrer Rolle als Mutter und Grundschullehrerin â und nicht zuletzt als Sozialistin, indem sie unermĂźdlich versucht, im Alltag Gutes zu tun. Am 7. Oktober 1989 folgt sie als âverdienstvolle PersĂśnlichkeitâ einer Einladung zum Festakt anlässlich des 40. Jahrestages der DDR im Palast der Republik. Zur gleichen Zeit schlieĂt Alex sich einer Demonstration fĂźr mehr Freiheit an, die die Volkspolizei brutal auflĂśst. Durch Zufall sieht Christiane, wie Alex festgenommen wird, und er, wie sie kollabiert. Aus dem Gefängnis entlassen, erfährt Alex, dass seine Mutter einen Herzinfarkt erlitten hat und im Koma liegt â mit vĂśllig ungewisser Prognose.
Vom Mauerfall, der Abdankung der alten Parteiriege und dem Einzug des Kapitalismus in Ost-Berlin erfährt sie ebenso wenig wie von den Veränderungen im Leben ihrer Kinder. Ariane, selbst schon Mutter, gibt ihr Studium auf zugunsten eines Jobs bei Burger King und verliebt sich in ihren Chef Rainer, der bei den Kerners einzieht. Die PGH von Alex wird abgewickelt; als gelernter Fernsehmonteur wird er Ăźbernommen von einer Firma, die SatellitenschĂźsseln vertreibt und ihre Mitarbeiter per Los zu Ost/West-Paaren zusammenschlieĂt. Alex glaubt fest an die Wiedergenesung seiner Mutter. Dass er sie fast täglich besucht, liegt allerdings auch an der jungen sowjetischen Krankenschwester Lara, in die er sich verliebt. Bei ihrem ersten Kuss, im Juni 1990, wacht Christiane unerwartet auf. Die Ărzte warnen, schon die kleinste Aufregung kĂśnne fĂźr sie tĂśdlich sein. Das verleitet Alex zu einer ersten NotlĂźge: Er behauptet, sie sei âbeim Einkaufenâ kollabiert. Er bestärkt sie auch in ihrem Wunsch, nach Hause entlassen zu werden â Ăźberzeugt, sie dort besser abschirmen zu kĂśnnen vor der Realität des sich wiedervereinigenden Deutschlands, die sie, wie er glaubt, nicht verkraften wĂźrde.
Das dafĂźr zu errichtende Illusionsgebäude verlangt ihm Fantasie, StehvermĂśgen und Improvisationskunst ab. Dass Christiane noch bettlägerig ist, kommt ihm entgegen; so muss er nur ein Zimmer der bereits verwestlichten Plattenbauwohnung in den alten Zustand zurĂźckverwandeln. Aus dem Warensortiment verschwundene DDR-Produkte, die sie liebt â allen voran Spreewaldgurken â, täuscht er vor, indem er alte Verpackungen und Gläser aus MĂźlltonnen fischt, sie reinigt und mit Westinhalten fĂźllt. Ihren Wunsch, fernzusehen, realisiert er mit Hilfe seines neuen Arbeitskollegen Denis, eines ambitionierten Amateurfilmers, der ihm Videos von alten DDR-Sendungen â vor allem der Aktuellen Kamera â sowie ein Abspielgerät besorgt. Die sich rasant wandelnde AuĂenwelt lässt sich vor Christiane dennoch nicht ganz verbergen: Einmal wird ein riesiges Coca-Cola-Banner auf der Hauswand entrollt, die sie von ihrem Bett aus sieht, ein andermal begegnet sie NeuankĂśmmlingen aus Wuppertal, als sie sich eigenmächtig auf die StraĂe wagt. Alex und Denis reagieren darauf mit gefälschten Nachrichtensendungen, in denen sie von einer allmählichen Ăffnung der DDR gegenĂźber dem Westen und von bundesdeutschen âRepublikflĂźchtlingenâ berichten, die angeblich gerade zahlreich in die DDR einwanderten. Ariane und Lara, unfreiwillig zu Komplizinnen gemacht, drängen Alex jedoch, der Mutter endlich reinen Wein einzuschenken.
Ein Ausflug zur Familien-Datsche bietet dazu eine gĂźnstige Gelegenheit. Doch Christiane kommt Alex zuvor, indem sie sich ihre eigene LebenslĂźge von der Seele redet: Die Republikflucht ihres Mannes war mit ihr abgesprochen; sie war entschlossen, mit den Kindern legal per Ausreiseantrag nachzukommen; vor den zu erwartenden Repressionen habe sie dann aber Angst gehabt, vor allem davor, dass man ihr die Kinder wegnehmen kĂśnnte. Der Tribut, den ihre Beichte fordert â akute Lebensgefahr infolge eines zweiten Herzinfarkts â, zwingt Ariane und Alex zu grĂśĂter Eile, um ihr den sehnlichen Wunsch eines Wiedersehens mit ihrem Mann zu erfĂźllen: Ariane findet die Briefe von ihm mit seiner West-Berliner Adresse; Alex sucht ihn dort auf und bewegt ihn zum Kommen. Dass Christiane zuvor durch Lara Ăźber die veränderten politischen Verhältnisse aufgeklärt worden ist, entgeht ihm allerdings. So inszeniert er noch einen letzten groĂen Coup fĂźr sie und dreht mit Denis ein Fake, worin er Erich Honecker als Staatsratsvorsitzenden zurĂźcktreten und durch Sigmund Jähn ersetzen lässt, sein persĂśnliches Idol seit Kindertagen. FĂźr diese Rolle gewinnt er den Taxifahrer, der ihn nach West-Berlin gefahren hatte und der Jähn zum Verwechseln ähnlich sieht. Dessen Antrittsrede gipfelt in der Erklärung, die DDR habe ihre Grenzen geĂśffnet, worauf Bilder vom tatsächlichen Mauerfall folgen, die so geschnitten sind, dass sie zum Kommentar, es wĂźrden nun die BundesbĂźrger in die DDR drängen, passen. Auch das reale Feuerwerk um Mitternacht, das die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten am 3. Oktober 1990 feiert, hat Alex bedacht, als er zuvor den AbreiĂkalender manipulierte: Er zeigt den 7. Oktober, den 41. Jahrestag der DDR.
Drei Tage später stirbt Christiane. Im Beisein einer kleinen Trauergemeinde schieĂt Alex ihre Asche in einer alten Spielzeugrakete vom Hausdach aus in den Nachthimmel â Ăźberzeugt, fĂźr seine Mutter bis zum Schluss die Illusion aufrechterhalten zu haben von einem Land, âan das sie geglaubt hatteâ und das es gleichwohl âin Wirklichkeit nie so gegeben hatâ.cite-ref-4[4]
Entstehung
Drehbuch
Der Drehbuchautor Bernd Lichtenberg schrieb laut eigener Aussage schon 1989 eine Geschichte, bei der er sich von seinen eigenen Erfahrungen der Wendezeit, die er als Neu-Westberliner und ähnlich jung wie sein Protagonist Alex erlebte, inspirieren lieĂ. Allerdings setzte er sie lange Zeit nicht um: âIch hatte das GefĂźhl, die Zeit sei einfach noch nicht reif.âcite-ref-x-becker-5-0[5] Als er Beckers Das Leben ist eine Baustelle gesehen hatte, sah er in ihm einen potentiellen Partner fĂźr dieses Projekt. Er war angetan von der Mischung aus Traurigem und Komischem, die ihm selbst fĂźr sein Projekt auch vorschwebte.cite-ref-t-lichtenberg-6-0[6]
Es soll bis zu sechs Drehbuchfassungen gegeben haben. Die ersten schrieb Lichtenberg allein, nach ausfĂźhrlichen Gesprächen und in engem Kontakt mit Becker. Die radikalste Ănderung erfuhr dabei Denis, der sich von einer Haupt- zu einer Helferfigur wandelt â von einem Ăźbergewichtigen jungen TĂźrken, der gegen seinen Willen verheiratet werden soll, zu einem Hobbyfilmer. Nach Fertigstellung des Skripts, war ihre Zusammenarbeit nicht beendet; während des Drehs wurde Lichtenberg dann, wenn Becker weitere Ănderungen wĂźnschte, âstark mit einbezogenâ.cite-ref-t-lichtenberg-6-1[6]cite-ref-ex-schmerz-7-0[7]
Casting
Die männlichen Hauptfiguren sind durchweg âĂźber Kreuzâ besetzt: âOssiâ spielt âWessiâ und umgekehrt. Vor allem fĂźr den Protagonisten Alex war das nicht geplant; er sollte zumindest Berliner sein, doch Becker fand keinen geeigneten Kandidaten. Als er dann Daniel BrĂźhl castete, entschied er sich fĂźr ihn, da er die Sorge um seine âMutterâ Ăźberzeugend vermitteln konnte. FĂźr seine fehlende dialektale Färbung wurde ein Sprachcoach engagiert.cite-ref-x-becker-5-1[5]
Die Besetzung von Arianes sehr junger Tochter Paula war eine besondere Herausforderung. Während sie als Baby nur einen kurzen Auftritt hatte, war sie als Kleinkind häufig präsent. Aufgrund arbeitsrechtlicher Bestimmungen, die vorschreiben, dass Kinder nicht länger als vier Stunden âam StĂźckâ arbeiten dĂźrfen, wurde Paula durch Zwillinge besetzt, die sich abwechseln konnten. Auch das Casting des Taxifahrers âSigmund Jähnâ war schwierig. Becker hätte am liebsten das âOriginalâ persĂśnlich dafĂźr gewonnen, doch mehr als dessen Zustimmung, ihn zu doubeln, bekam er nicht. Als man mit dem Schweizer Stefan Walz schlieĂlich einen geeigneten Darsteller gefunden hatte, wurde sein Gesicht durch eine Vollmaske noch weiter angeglichen und sein Text durch einen Stimmenimitator, der den vogtländischen Dialekt beherrschte, eingesprochen.cite-ref-x-becker-5-2[5]cite-ref-ex-schmerz-7-1[7]
Dreharbeit und Nachproduktion
Die Dreharbeiten waren fĂźr August 2001 angesetzt. Zwei Wochen Zeitverzug, bedingt durch die ernsthafte Erkrankung einer Hauptdarstellerin, zogen zwei Schwierigkeiten nach sich: das durch vertragliche Sperrfristen häufig dezimierte Ensemble und das ausnehmend schlechte Septemberwetter. Wieder und wieder mussten die Dreharbeiten abgebrochen oder ganz abgesagt werden. So wurde der Dreh auf der Datsche einmal durch Regen verhindert, ein anderes Mal durch eine Rotte Wildschweine, die den Garten zerstĂśrt hatten. Beim ersten Drehtermin der Finalszene stĂźrmte es, beim zweiten lieĂ sich der Hubschrauber nicht starten. Ein dritter Anlauf war allein aus finanziellen GrĂźnden nicht mĂśglich; auĂerdem hätte dafĂźr die Karl-Marx-Allee, eine der Hauptverkehrsadern, erneut voll gesperrt und in mĂźhevoller Kleinarbeit von Anachronismen befreit werden mĂźssen.cite-ref-x-becker-5-3[5]cite-ref-ex-fliegen-8-0[8]
Becker wird als fordernd und âperfektionistischâ beschrieben. So war ihm Stimmigkeit in allen ĂuĂerlichkeiten (Kleidung, In- und Exterieurs) wichtig, damit die Erzählillusion nicht gestĂśrt wurde. Um dies zu erreichen, wurden beispielsweise Etiketten von DDR-Produkten nachgedruckt;cite-ref-ex-genau-9-0[9] nachgebaut wurde unter anderem die sich wabenfĂśrmig nach auĂen Ăśffnende Fassade des âTachelesâ, im Wendejahr ein Szenetreff mit Kultstatus.cite-ref-ex-schmerz-7-2[7] Katrin Sass empfand die Dreharbeiten, ähnlich wie Daniel BrĂźhl,cite-ref-ex-schmerz-7-3[7] als âsehr, sehr anstrengendâ und beschreibt Becker so: â[Er] bringt sich immer hundert Prozent ein, verfolgt seine Linie, konkret und präzise, besessen von seiner Arbeit und seiner Vision. Er will den bestmĂśglichen Film machen. Das ging an die Substanz: Als Schauspieler muss man mit, ob man noch kann oder nicht. Solche Regisseure sind mir tausendmal lieber als die, die alles immer ganz wunderbar finden, aber am Ende kommt ein Film heraus, der einen maĂlos enttäuscht.âcite-ref-t-sass-10-0[10]
Nach 58 Tagen, am 30. November 2001, wurden die Dreharbeiten beendet.cite-ref-ex-schmerz-7-4[7] Im Jahr darauf fanden Nachdrehs statt. Abgesehen davon machten Becker noch drei Probleme zu schaffen. Das erste war die digitale Erstellung der noch fehlenden Titelszene. Becker wollte auf keinen Fall, dass sie kĂźnstlich oder gar lächerlich wirkte. Insbesondere die Generierung einer Ăźberzeugenden Lenin-Statue. Erst nach vier Monaten war diese Schwierigkeit Ăźberwunden.cite-ref-ex-fliegen-8-1[8] Die nächste bestand darin, dass die erste Schnittfassung des Films mit 164 Minuten, auch nach Beckers eigener Einschätzung, âviel zu langâ war. Er entschloss sich, einen Dritten hinzuzuziehen â den mit ihm befreundeten Regisseur Tom Tykwer. Tykwer und Beckers Filmeditor Peter Adam erstellten eine um rund 60 Minuten gekĂźrzte Fassung, die der endgĂźltigen sehr nahekam.cite-ref-ex-k-rzen-11-0[11] Die letzte, spät genommene HĂźrde war schlieĂlich die Filmmusik. Als Becker mit Yann Tiersen endlich einen KĂźnstler, der ihm zusagte, gefunden hatte, lieĂ dieser monatelang nichts von sich hĂśren (er war auf Tournee) und, während er komponierte, niemanden an sich heran. Erst an Weihnachten 2002 konnte sich der Regisseur bei der Einspielung im Pariser Studio ein Bild vom Ergebnis der Arbeit machen. Die Musik war auf den Punkt fertig geworden und genau so, wie er sie sich gewĂźnscht hatte!cite-ref-ex-tiersen-12-0[12]
Handlungs- und Drehorte
Der Film verlässt den Handlungsort Berlin nur ein einziges Mal â fĂźr die Fahrt auf die Datsche. Ansonsten spielt sich das Geschehen, trotz der häufig wechselnden Schauplätze, in einem Radius von nur wenigen Kilometern ab. Dessen Mittelpunkt bildet die 79-m²-Plattenbauwohnung der Kerners. UrsprĂźnglich sollte sie sich am Leninplatz befinden, vis-Ă -vis dem gleichnamigen monumentalen Denkmal, und der Film sollte damit enden, dass die todkranke Christiane vom Fenster aus sieht, wie es abgebaut wird â daher der Titel. Da dies aber erst im Herbst 1991 geschah, passte es nicht in den letztlich unverrĂźckbaren Handlungszeitraum, und man beschloss, die Wohnung in die BerolinastraĂe 21 und die Titelszene in die Karl-Marx-Allee zu verlegen.cite-ref-ex-genau-9-1[9]
Die Episode auf der Datsche wurde in Finsterwalde gedreht, die Innenaufnahmen in der Kernerschen Wohnung im Studio. Die meisten anderen Szenen entstanden an den Originalschauplätzen. Neben der Karl-Marx-Allee und dem âAlexâ waren das Orte wie die ehemalige Coca-Cola-Zentrale in Lichterfelde, welche schon in Billy Wilders Film Eins, zwei, drei auftauchte,cite-ref-1001f-13-0[13] das Freizeit- und Erholungszentrum Wuhlheide, der Underground-Club âEimerâ oder der Flohmarkt am Nordbahnhof. In den 12 Jahren seit der Wende hatten viele sich stark verändert. Das wenigstens fĂźr einen Drehtag rĂźckgängig zu machen oder zu kaschieren (Graffiti, Westautos usw.), erforderte viel Aufwand. Manches konnte man nachträglich digital retuschieren, mitunter musste man ausweichen, wie fĂźr die Demo am 7. Oktober 1989 oder fĂźr Christianes Krankenhausaufenthalt in der CharitĂŠ.cite-ref-x-becker-5-4[5]
Form und Stil
Bildgestaltung
Der Vorspann des Films arbeitet mit sparsamen Mitteln. Acht zeittypisch blasse Ansichtskarten, durch die die Kamera langsam âhindurchfährtâ, stimmen auf den Handlungsmittelpunkt ein, das Areal rund um den âAlexâ im sozialistischen Ostberlin, und einige wenige Pseudoamateuraufnahmen per Handkamera auf den gleichnamigen Protagonisten.cite-ref-x-becker-5-5[5] Sie vermitteln den Eindruck einer unbeschwerten, glĂźcklichen Kindheit in einer etwas arrivierten (âUnsere Datsche, Sommer '78â) und gleichwohl systemkonformen Familie (Alexâ Kosmonauten-T-Shirt mit dem Aufdruck CCCP/DDR).
Im nachfolgenden, rund 5-minĂźtigen Prolog, der etwa ein Jahr umspannt, nimmt Becker den Zuschauer Ăźbergangslos mit auf die von ihm intendierte âemotionale Achterbahnfahrtâ.cite-ref-x-becker-5-6[5] Der Schock: Genau in dem Moment, als mit Sigmund Jähns Start ins All Alexâ GlĂźck vollkommen scheint, wird die familiäre Idylle jäh zerstĂśrt durch den Verlust des (vermeintlich aus purem Egoismus) republikflĂźchtigen Vaters, und nicht genug: Alex und Ariane mĂźssen auch noch den Verlust ihrer (vermeintlich nur aus Trauer) vĂśllig verstummten Mutter verkraften. Die AuflĂśsung acht Wochen später: Verwandelt wie von Zauberhand, aber sichtlich auch durch die Liebe ihrer Kinder, kehrt sie ins Leben zurĂźck und tut alles, um eine neue Idylle zu schaffen, nicht durch RĂźckzug ins Private, sondern im Gegenteil durch soziales (und zugleich systemstabilisierendes) Engagement.
Der nach einem radikalen Schnitt zehn Jahre später einsetzende Hauptteil des Films fĂźhrt zunächst einmal zwei Darstellungsweisen vor, mit denen das Ende der DDR auch hätte gezeigt werden kĂśnnen: die satirische und die realistische. Satirisch ist das Anfangsbild am Morgen des 7. Oktober 1989: Alex nach offenbar durchzechter Nacht alkoholisiert auf einer Bank â vor dem Hintergrund roter Banner mit hohlen Phrasen und dem pompĂśsen militärischen Aufmarsch zur 40-Jahr-Feier der DDR. Der Kontrast zwischen dem Helden und seiner Heimat, zwischen inszenierter AuĂendarstellung und dem tatsächlichen LebensgefĂźhl kĂśnnte kaum grĂśĂer sein. In diesem Stil kĂśnnte der Film fortfahren, doch dem entgegen stehen der Plot (der von Alex RĂźckbesinnung und Identifikation fordert statt weiterer Distanzierung) und die Grundhaltung des Regisseurs persĂśnlich (âDie Form der satirischen Besserwisserei interessiert mich nichtâ).cite-ref-t-t-teberg-15-0[15]
Dem Realismus verpflichtet ist die Sequenz, in der die Berliner Demonstration am Abend des 7. Oktober dargestellt wird. âSo warâs!â, sollten die seinerzeit Beteiligten nach Beckers Wunsch sagen kĂśnnen. Einige von ihnen wirkten auch selbst, einem Radioaufruf folgend, als Komparsen mit. âDie Stasi hatte ganze Arbeit geleistetâ, stellte Becker fest, als er vergeblich nach Archivmaterial suchte, das die Demo dokumentierte. So sah er sich veranlasst, sie aufwändig nachzustellen. An Filmaufnahmen standen ihm einzig die eines franzĂśsischen Kamerateams zur VerfĂźgung.cite-ref-x-becker-5-7[5] Entstanden ist so eine vergleichsweise lange und sehr authentisch wirkende Sequenz. Sie allein, so der Audiokommentar dreier Hauptdarsteller, widerlege schon das Urteil mancher Kritiker, der Film sei âverklärendâ und ânostalgischâ, denn die Brutalität, mit der die Einsatzkräfte gegen die friedlichen Demonstranten vorgehen, sei in ihr âdeutlich zu sehenâ.cite-ref-x-br-hl-16-0[16]
Nachdem Alexâ Mutter ins Koma gefallen ist, läuft der Film zĂźgig auf den âPlot Point Oneâ zu (von dem Becker glaubt, er werde in Good Bye, Lenin! deutlich später erreicht als im amerikanischen Erzählkino Ăźblich).cite-ref-x-becker-5-8[5] Das ist der Moment, der den Helden vor einen Entscheidungskonflikt stellt. FĂźr Alex ist es der, wie er mit der Drohung des Arztes umgeht, dass âjegliche Aufregung, ja nur die Gefahr einer Aufregungâ das Leben seiner wiedererwachten Mutter gefährden kĂśnne. Sein Entschluss, sie persĂśnlich zu schĂźtzen, indem er sie abschirmt und belĂźgt, kommt spontan und ohne Abwägung der daraus folgenden Konsequenzen. Dass diese viel komisches Potenzial bergen, wird schnell deutlich, sodass Good Bye, Lenin! spätestens von hier an auch als TragikomĂśdie klar erkennbar ist. Zur Prägung des Films tragen auĂerdem einige Stilmittel bei.
Voiceover
Das Voiceover war fĂźr Drehbuchautor Bernd Lichtenberg eine Entdeckung. PlĂśtzlich sei, begleitend zum ersten Bild (Sigmund Jähn in der Raumkapsel), der Satz â1978 war die DDR auf Weltniveau und unsere Familie ging den Bach runterâ aufgetaucht, und sofort sei ihm klar gewesen, âwas fĂźr ein zusätzlicher Ton durch dieses Stilmittelâ in den Film kommen konnte. Besonders wichtig war es fĂźr die Erzählung dessen, was in den gut acht Monaten, in denen Christiane im Koma liegt, historisch alles geschieht. Da dies sehr viel ist, der eigentliche Film aber erst danach beginnt, half die Voiceover ganz wesentlich, die geschichtlichen und familiären UmbrĂźche der Wendezeit âsprunghafter und schnellerâ zu erzählen, âin einer Art lakonischem Zeitrafferâ.cite-ref-t-lichtenberg-6-2[6]
Alexâ rund 50 Off-Kommentare dienen auĂerdem der Erklärung und Ăberleitung sowie der ironischen Distanzierung und Untertreibung. So spricht er im Zusammenhang mit der Demo am 7. Oktober von einem âAbendspaziergangâ und beim Mauerfall von einer âAltstoffsammlungâ, wobei hier zusätzlich eine der Floskeln aus dem DDR-(Propaganda)-Sprachgebrauch einflieĂt, die Alex des Ăfteren gebraucht. In einigen Fällen spielt er auf noch Aktuelleres aus der Wendezeit an (âSatellitenschĂźsseln lieĂen unsere Landschaften erblĂźhenâ), in manchen auf beides. So steckt in dem âWährend sich viele lautstark schon fĂźr die Meister von morgen hielten [âŚ]â sowohl die Messe der Meister von Morgen (das DDR-Pendant zum bundesdeutschen âJugend forschtâ) als auch Franz Beckenbauers (Fehl-)Prognose, die deutsche FuĂballnationalmannschaft der Herren werde nach der Wiedervereinigung auf Jahre hinaus âunschlagbarâ sein.cite-ref-17[17]
Ironie
Ironie ist wohl das am häufigsten angewandte Stilmittel des Films. Bis zum Schluss wird es gesteigert und verfeinert. Alexâ Sinn fĂźr Humor ist ein Erbteil seiner Mutter, die ihn vor allem in ihren Eingaben auslebt. Der Film präsentiert drei davon, am ausfĂźhrlichsten die letzte, die Christiane vom Krankenbett aus diktiert â laut Becker eine der Lieblingsszenen bei den Zuschauern.cite-ref-x-becker-5-9[5] Das mag an besonders spitzzĂźngigen Formulierungen gelegen haben (âIn der Hauptstadt jedenfalls leben keine so kleinen und viereckigen Menschenâ), gewiss aber auch daran, dass die Szene doppelt codiert ist: Während die Sprecherin glaubt, es handle sich wieder um ein DDR-Produkt, weiĂ die ZuhĂśrerin (und mit ihr der Zuschauer), dass die Kritik diesmal einen Westartikel trifft. Ein anderes Beispiel fĂźr eine Doppelcodierung ist der GlĂźckwunsch, den Christianes Parteigenosse Ganske zu ihrem Geburtstag parat hat: âUnd dass alles wieder so wird, wie es mal war.â Sie bezieht ihn auf ihren Gesundheitszustand, der Zuschauer auf die DDR-Nostalgie des Gratulanten, der jenen Typus (oder zumindest eine Spielart davon) eines âstrammen Genossenâ repräsentiert, den nicht wenige in Christiane sehen wollten.cite-ref-x-becker-5-10[5]cite-ref-lange-18-0[18]
Bei âeinfachenâ Doppelcodierungen belässt es der Film nicht. Den Gipfel vielfacher ironischer Brechung erreicht er wohl am Vorabend der deutschen Wiedervereinigung in Christianes Krankenzimmer, als das gefälschte neue DDR-Staatsoberhaupt seine gefälschte Antrittsrede in einer gefälschten Nachrichtensendung hält. Der Zuschauer weiĂ in dem Moment auch, dass sogar die in dieses Amt befĂśrderte pseudoreale Person, âSigmund Jähnâ, gefälscht ist. Christiane ihrerseits weiĂ mittlerweile, dass sie getäuscht werden soll, lässt dies aber Alex nicht wissen. (Becker hat die Szene eigens nachgedreht, um dem Zuschauer ihr doppeltes Spiel deutlich vor Augen zu fĂźhren.)cite-ref-x-becker-5-11[5] In jedem Fall ist der, der glaubt, alle Fäden in der Hand zu halten â Alex â, schlussendlich derjenige, der sich Ăźber den wahren Erfolg dessen, was er eigentlich erreichen wollte, irrt; der Täuscher wird also selbst zum Getäuschten.cite-ref-lange-18-1[18]
Archivmaterial
FĂźr Regisseur Becker, Drehbuchautor Lichtenberg und Kameramann Martin Kukula bestand ein GroĂteil der Vorarbeit in der Sichtung von dokumentarischem Archivmaterial. Als âWessisâ fĂźhlten sie sich dazu verpflichtet, wollten aber ohnehin einiges direkt fĂźr den Film nutzen. Besonders willkommen war alles Schlaglichtartige, um das Erzähltempo hoch zu halten.cite-ref-x-becker-5-12[5] Archivmaterial und Voiceover ergänzten sich also funktional. Inhaltlich entstand ein oft reizvolles Spannungsverhältnis. In mindestens einem Fall eigneten sich die Archivbilder auch dazu, hinter Alexâ Aussagen ein Fragezeichen zu setzen. Gemeint sind Aufnahmen vom Prenzlauer Berg aus der späten DDR, die auf den Betrachter wirken, als seien sie âvon 1930â;cite-ref-x-br-hl-16-1[16] sie laufen parallel zu Alexâ Schlussworten und wirken mĂśglicher Nostalgie (âDas Land, das meine Mutter verlieĂ, war ein Land, an das sie geglaubt hatteâ) kräftig entgegen.
Das Archivmaterial hat in Good Bye, Lenin! aber nicht nur die Funktion, den subjektiven Kommentaren âobjektiveâ Bilder entgegenzusetzen. Gezeigt wird auch, wie Bilder gemacht werden und sie die Wahrheit auf den Kopf stellen kĂśnnen. In den Fakes, in denen Denis und Alex Fakt und Fiktion, dokumentarisches und selbst inszeniertes Filmmaterial mischen, wird dem Zuschauer vor Augen gefĂźhrt, wie Bilder lĂźgen kĂśnnen, und zwar gerade dort, wo er es allgemein am wenigsten erwartet: in Nachrichtensendungen. Den Umstand der Manipulierbarkeit von Bildern hat Becker in seinem Film erklärtermaĂen auch selbst genutzt: Um die in den Fakes behauptete West-Ost-Richtung des Besucherstroms glaubwĂźrdig erscheinen zu lassen, wählte er nur Archivmaterial aus, in denen die Menschen sich von links nach rechts bewegen.cite-ref-x-becker-5-13[5]
Filmmusik
Die Filmmusik ist das dritte Stilmittel, das ganz wesentlich das Erzähltempo des Films dirigiert. Auffällig zum Beispiel die Beschleunigung in der Sequenz, die zur vorgetäuschten Antrittsrede des âSigmund Jähnâ hinfĂźhrt, oder das Crescendo, das Christiane begleitet, als sie sich heimlich aus der Wohnung stiehlt und dem âfliegenden Leninâ begegnet. Dass die Filmmusik Stimmungen und GefĂźhle der Zuschauer steuert, versteht sich von selbst. Mit Bedacht entschied sich Becker fĂźr Yann Tiersen, den Komponisten der Filmmusik von Die fabelhafte Welt der AmĂŠlie, und beschreibt dessen Stil so: Er kĂśnne âwunderbar melancholische Musikâ schreiben, die ânichts Lastendes, nichts Depressivesâ habe, man sehe immer noch âein StĂźck blauen Himmelâ.cite-ref-ex-tiersen-12-1[12]
Leitmotiv
Auf Sigmund Jähn, den ersten Deutschen im All, stieĂ Bernd Lichtenberg im Zuge seiner Recherchen im Archivmaterial. Daraus entwickelte sich, peu Ă peu, das Leitmotiv des Films: die Raumfahrt â oder, weiter abstrahiert, das Fliegen Ăźberhaupt, das Sich-vom-Boden-Erheben, das FĂźr-Ideale-Einstehen.cite-ref-lange-18-2[18]
Als Filmfigur fungiert Jähn als doppelte âKlammerâ:cite-ref-t-lichtenberg-6-3[6] Er markiert den filmischen Erzählbogen und wird fĂźr Alex Vaterersatz und Kindheitsidol â ein durchaus glaubwĂźrdiges zudem, war doch Jähn eine der wenigen Personen des Ăśffentlichen Lebens in der DDR, die echte Popularität erlangten. Einen zufällig auftauchenden Doppelgänger Jähns wählt der erwachsene Alex dann als den Taxifahrer aus, der ihn, den verlorenen Sohn, zum verlorenen Vater zurĂźckbringt. Alexâ Begleitkommentar auf der geografisch kurzen Strecke innerhalb Berlins (âWie durch die Weiten des Kosmos [âŚ] landeten wir in Wannseeâ) verdeutlicht die âgalaktischeâ Dimension ihrer Trennung und legt auĂerdem nahe, dass Robert Kerners Republikflucht auch eine Art âRaumflugâ war, mit dem er seine Ideale bewahrte.cite-ref-lange-18-3[18]
FĂźr Christiane Kerner ist der DDR-Raumfahrer, in Gestalt des Sigmund-Jähn-Doubles, nicht minder wichtig. Als âErsatzmannâ hatte sie sich ja, laut Alex, âunser sozialistisches Vaterlandâ auserkoren, und als Ersatzbefriedigung das Eintreten fĂźr die Ideale des alltäglichen menschlichen Miteinanders. Wenn sie nun aus dem Munde des von Alex präsentierten neuen DDR-Staatsoberhaupts Worte hĂśrt wie âSozialismus, das heiĂt auf den anderen zuzugehen, mit dem anderen zu lebenâ, entspricht das genau ihren WĂźnschen, und aus ihren spontanen Kommentaren (âIst das nicht wundervollâ, âWahnsinnâ) spricht sowohl Dankbarkeit gegenĂźber Alex als auch ihr ausdrĂźckliches Bekenntnis zu diesen Idealen.
Mit Jähns Flug ins All kommt auch, historisch verbĂźrgt, das Sandmännchen mit ins Spiel â Identifikationsfigur aus dem kulturellen Erbe der DDR wie keine zweite. Jeder seiner drei Kurzauftritte ist mit der Raumfahrt verbunden. Als âJunger Raketenbauerâ lässt Alex, seinem Idol folgend, das Sandmännchen in seiner selbstgebastelten Rakete mit in den Himmel steigen; seine Liebesbeziehung zur sowjetischen Lernschwester Lara spiegelt die von Jähn in der Raumkapsel inszenierte kosmische Hochzeit des Sandmännchens mit âMaschaâ; und schlieĂlich ist es ein Fernsehauftritt des Sandmännchens als Kosmonaut, der fĂźr Alex buchstäblich zum âTĂźrĂśffnerâ wird zu seinen noch kindlichen Halbgeschwistern und damit zur neuen Welt seines Vaters in Westberlin.
Feuerwerke aus verschiedenen Anlässen und insbesondere der âfliegende Leninâ, der auf Christiane wie eine Himmelserscheinung wirkt, bereichern das Leitmotiv zusätzlich. Hinzu kommt die Art und Weise, wie bestimmte Ereignisse dargestellt werden: So befindet sich das Liebespaar Alex/Lara auffällig oft auf Gebäuden oder hoch oben in ihnen, und in Alexâ Vorstellung âkreistâ seine im Koma liegende Mutter âwie ein Satellit um das menschliche Treiben auf unserem kleinen Planeten und in unserer noch kleineren Republikâ. In der Schlussszene läuft alles noch einmal zusammen in Bild â die Pionierrakete mit Christianes Asche, die vom Dach des Kernerschen Hochhauses in den Nachthimmel steigt â und Wort: âIrgendwo da oben schwebt sie jetzt und schaut vielleicht auf uns hinab. Und sieht uns als winzige Punkte auf unserer kleinen Erde. Genau wie damals Sigmund Jähn.â
Filmzitate
Die in Good Bye, Lenin! enthaltenen Filmzitate sind allein schon deshalb erwähnenswert, weil frĂźhere Drehbuchfassungen noch mehr davon aufwiesen. Zugunsten der Konzentration auf den Haupterzählstrang wurde unter anderem auf die verzichtet, die den VideotĂźftler Denis als Filmvisionär zeigen. In diesen Szenen âzitiertâ er Filme, die es zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht gab und die mit Good Bye, Lenin! die Idee der manipulierten Realitätswahrnehmung gemeinsam haben, wie Truman Show oder Matrix. Davon Ăźbrig geblieben ist im fertigen Film das auf Matrix anspielende T-Shirt,cite-ref-x-becker-5-14[5] das Denis trägt, als er Alex ein von ihm selbst kreiertes Filmzitat erklärt â von dem berĂźhmten Schnitt aus Stanley Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum, der einen urzeitlichen Knochen in ein utopisches Raumschiff verwandelt. Denisâ Version ist nicht ganz so kĂźhn; aus einem BrautstrauĂ wird bei ihm eine Hochzeitstorte.
Good Bye, Lenin! zitiert Kubricks Schnitt zuvor schon einmal, als â beim Sprung vom Prolog zum Hauptteil, der zehn Jahre ĂźberbrĂźckt â die Pionierrakete in Alexâ Händen zu einer Bierflasche mutiert. Noch deutlicher ist der Verweis auf einen zweiten Kubrick-Film: Als Alex mit Denisâ Hilfe das Zimmer seiner Mutter wieder so herrichtet, wie es frĂźher war, entspricht dies in Stil (Zeitraffer) und Begleitmusik (OuvertĂźre aus der Oper Guillaume Tell von Gioachino Rossini) exakt einer Bettszene aus Uhrwerk Orange. Ein weiteres Filmzitat (François Truffauts Der Mann, der die Frauen liebte) benennt Becker selbst in dem Moment, als Alexâ Blicke auf den schĂśnen Beinen der Krankenschwestern haften,cite-ref-x-becker-5-15[5] und in der Szene, da sein Held ein menschengroĂes KĂźken durch eine Kaufhalle spazieren sieht, zitiert Becker seinen eigenen Vorgängerfilm Das Leben ist eine Baustelle. Zwei SchlĂźsselszenen von Good Bye, Lenin! verdienen besondere Beachtung gerade durch die intertextuellen Verweise.
Eine dieser Szenen betrifft Alexâ erste Nachrichtenfälschung, die nĂśtig wird, da seine aufwendigste Realitätsfälschung, die Geburtstagsfeier seiner Mutter, mit einem Fiasko endet. Ausgerechnet auf der einzigen Häuserfassade, die Christiane von ihrem Bett aus sehen kann, wird ein riesiges Werbebanner fĂźr Coca-Cola entrollt. Um ihr das plausibel zu machen, drehen die beiden âFälscherâ Alex und Denis eine Szene an einem Ort, den Cineasten als Hauptschauplatz von Billy Wilders Eins, Zwei, Drei wiedererkennen: die ehemalige Westberliner Zentrale des US-amerikanischen Getränkekonzerns. Becker zitiert dabei nicht nur den Ort (samt Perspektive und nahezu identischer Kadrierung), sondern auch den Inhalt von Wilders KomĂśdie: die in Berlin besonders augenfällige deutsch-deutsche Teilung, absurd-komische Wirrungen in dieser Stadt und Coca-Cola als symbolträchtiges Produkt des Kapitalismus (das beide Manipulatoren in ihrem Fake als ursprĂźnglich sozialistische Erfindung deklarieren).cite-ref-x-becker-5-16[5]cite-ref-lange-18-4[18]
Die zweite SchlĂźsselszene ist die titelgebende des Films. Was zunächst ein mehrfaches Scheitern der filmischen Pläne bedeutete (das eigentliche Lenindenkmal wurde erst später abgebaut, der Hubschrauberflug mit einem Leninkopf aus PappmachĂŠ musste zweimal abgesagt werden), erwies sich letztlich als Vorteil im Sinne grĂśĂerer kĂźnstlerischer Freiheit: Mit der Karl-Marx-Allee wählte man einen symbolhaften Ort Ostberlins, und die Leninstatue konnte am Computer nach Belieben modelliert werden. Nicht zuletzt wurde so auch die Anspielung auf Federico Fellinis Das sĂźĂe Leben noch deutlicher. Konkret zitiert wird die an einem Hubschrauber hängende Christus-Figur, die mit ausgebreiteten Armen Ăźber das katholische, aber moralisch âverlotterteâ Rom fliegt. Auf Beckers Film Ăźbertragen heiĂt das nichts anderes, als dass mit Lenin die Leitfigur des Sozialismus (und mit ihr die Idee und Gesellschaftsordnung) nunmehr abdankt. Die computergenerierte Geste der Statue wird verschieden gedeutet: als ob Lenin der ungläubig zu ihm aufschauenden Christiane die Hand reicht zum Abschied (Good Bye),cite-ref-lange-18-5[18] oder als ob er in die Richtung weist, die die Geschichte nunmehr eingeschlagen hat (Westen).cite-ref-x-becker-5-17[5]
VerĂśffentlichung und Auswertung
UraufgefĂźhrt wurde Good Bye, Lenin! auf der Berlinale 2003. Er lief im Wettbewerb um den Goldenen Bären, gewann allerdings nur den Blauen Engel, der fĂźr den besten europäischen Film vergeben wurde.cite-ref-0-19-0[19] In den deutschen Kinos startete Good Bye, Lenin! bereits vier Tage später, am 13. Februar 2003, im europäischen Ausland fast ausnahmslos noch im gleichen Jahr, in Ăbersee mehrheitlich im Jahr darauf.
Der kommerzielle Erfolg von Good Bye, Lenin! steht auĂer Frage. Den geschätzten Produktionskosten von 4,8 Millionen US-Dollar steht ein weltweites Einspielergebnis von 79,3 Millionen US-Dollar gegenĂźber.cite-ref-20[20] Davon entfielen 41,5 Millionen, also gut die Hälfte, auf die deutschen Kinos. Im Vergleich dazu setzte Das Leben der Anderen (2006) rund ein Viertel an den deutschen Kinokassen um, bei einem ähnlich guten Gesamtergebnis weltweit (77,4 Mio.). Hingegen blieb der Erfolg von Sonnenallee (1999), dem Good Bye, Lenin! in puncto Thema und Genre näher steht, weitestgehend auf Deutschland beschränkt.cite-ref-21[21]
| Land | Einwohner | Einspielergebnis | Eintritte |
|---|---|---|---|
| Deutschland | 0 83 Mio. | 41,45 Mio. USD | 0 6,57 Mio. |
| Ăsterreich | 0 0 9 Mio. | 0 0,96 Mio. USD | 0 0,14 Mio. |
| Schweiz | 0 0 8 Mio. | 0 2,29 Mio. USD | 0 0,24 Mio. |
| Niederlande | 0 17 Mio. | 0 1,88 Mio. USD | 0 0,24 Mio. |
| Frankreich | 0 67 Mio. | 0 8,65 Mio. USD | 0 1,54 Mio. |
| Spanien | 0 47 Mio. | 0 2,91 Mio. USD | 0 0,51 Mio. |
| Vereinigtes KĂśnigreich | 0 66 Mio. | 0 2,02 Mio. USD | 0 0,21 Mio. |
| Italien | 0 60 Mio. | 0 1,74 Mio. USD | 0 0,42 Mio. |
| Ăźbriges Europa | | 0 4,0 Mio. USD | |
| Europäische Union gesamt | | | 10,63 Mio. |
| Vereinigte Staaten | 330 Mio. | 0 4,06 Mio. USD | 0 0,65 Mio. |
| Rest der Welt | | 0 9,36 Mio. USD | |
Rezeption
National
Das deutsche Feuilleton, das die Weltpremiere von Good Bye, Lenin! auf der Berlinale begleitete, urteilte zunächst Ăźberwiegend reserviert. Das bezeugen die auf filmspiegel.de versammelten Noten durch seriĂśse Blätter wie FAZ und Zeit: zweimal âsehenswertâ, sechsmal âzwiespältigâ, einmal âuninteressantâ.cite-ref-bernhardt-23-0[23] Die Verbalurteile durch Kritiker âaus dem Ostenâ fielen noch deutlich negativer aus: âDie DDR wird Spekulationsobjektâ (Jana Hensel),cite-ref-24[24] âgrĂźndlich vergeigtâ (Renate Holland-Moritz), âarmseligâ, âAffentheaterâ und âPublikumsverarschungâ (Anke Westphal).cite-ref-a-t-teberg-25-0[25] Eine der wenigen lobenden Stimmen kam von Gunnar Decker (Neues Deutschland): âWolfgang Becker, der Westler, macht einen vielschichtigen Film Ăźber die Psychologie des Ostens. Ăber unsere falschen Vorstellungen und echten Träume. FĂźr diesen Film bin ich dankbar, denn er ist voller unsentimentaler Genauigkeit. So erst wird Poesie mĂśglich. Endlich ein gesamtdeutscher Ost-Film, der frei atmet.âcite-ref-26[26]
Der Filmkritik hatte Good Bye, Lenin! jedenfalls nicht seinen imposanten Start in den deutschen Kinos zu verdanken: am ersten Wochenende 375.474 Zuschauer und Platz 3, sieben Tage später 502.201 Besucher und damit Rang 1 â eine Position, die der Film in den folgenden vier Wochen verteidigte.cite-ref-a-t-teberg-25-1[25] Zuschauer gaben nach dem Kinobesuch zu Protokoll, sie seien mit falschen Vorstellungen in den Film gegangen; ein âTeeniemovie zum bloĂen Ablachenâ hatten sie erwartet und stattdessen einen berĂźhrenden Film gesehen, der die Generationen versĂśhne, Ost und West gleichermaĂen anspreche. (Im Vergleich zu Sonnenallee, der im Osten wesentlich besser ankam als im Westen, waren die Besucherzahlen fĂźr Good Bye, Lenin! Ăźberall gleich gut.)cite-ref-a-t-teberg-25-2[25] Auch die Politik reagierte: Auf Einladung von Kulturstaatsministerin Christina Weiss schauten sich rund 250 Bundestagsabgeordnete (quer durch alle Parteien) den Film am 2. April 2003 gemeinsam im Ostberliner Kino International an â ein bis dahin einmaliger Vorgang.cite-ref-a-t-teberg-25-3[25]cite-ref-27[27] In seinem Erscheinungsjahr zog Good Bye, Lenin! allein in Deutschland mehr als 6 Millionen Besucher an, was Platz 1 bedeutete unter den einheimischen Produktionen; in der Gesamtbilanz seit Beginn der Zuschauerzählung 1968 rangiert er damit unter den zehn erfolgreichsten deutschen Filmen.
Mit dem Erfolg beim Publikum änderte sich auch der Tenor der Filmkritik. So beschloss die Feuilletonredaktion der Welt Ende Februar, die vollbesetzten Berliner Kinosäle aufzusuchen, um sich dort ein (zweites) Bild zu machen. Statt Dauergelächter registrierte man Betroffen- und Ergriffensein, man sah einen âziemlich traurigen, ziemlich allgemeingĂźltigen Film Ăźber das Zerplatzen von LebensentwĂźrfenâ, einen âFilm Ăźber eine gemeinsame deutsche Geschichteâ und traute ihm gar die Kraft einer Solidarisierung zwischen Deutschland Ost und West zu: âEs fĂśrdert das ZusammengehĂśrigkeitsgefĂźhl, wenn man sich in der Mitte treffen kann, die einen leidend unter dem Verlust ihrer sozialistischen Utopie, die andern unter der Erosion ihres Wirtschaftswunderwohlstands.âcite-ref-28[28] Thomas Brussig, Autor von Helden wie wir, einem der ersten erfolgreichen Wenderomane, meinte, der Film treffe einen Nerv, indem er eine Leerstelle fĂźlle: âEinen Abschied von der DDR, so wie man von einem Menschen Abschied nimmt, eine Trauer â das hat es im Herbst 90 einfach nicht gegeben. Das war eine so rastlose, vorwärts hastende Zeit, da war gar kein Platz mehr fĂźr so etwas wie Sentimentalitäten.âcite-ref-29[29] Dennoch kamen die Vorbehalte, denen der Film anfangs begegnet war, immer aufs Neue zum Vorschein, wenn er gegen sie verteidigt wurde: âGood Bye, Lenin! ist kein heimwehkranker Retrofilmâ, erklärte Claudia Rusch, die wie Brussig ihre DDR-Herkunft schriftstellerisch verarbeitet hatte (Meine freie deutsche Jugend), âsondern ein feinsinniges und liebevolles StĂźck Ăźber Menschen in einer Ausnahmesituation. Wenn Ăźberhaupt, wird davon erzählt, was dieser Staat hinterlassen hat im Leben seiner BĂźrger.âcite-ref-30[30]
International
Good Bye, Lenin! wurde in insgesamt 64 Länder verkauft. Fast Ăźberall war er kommerziell erfolgreich (unter ganz verschiedenen Bedingungen), erhielt zahlreiche Preise und brach auch den einen oder anderen Rekord. In GroĂbritannien beispielsweise gelang Good Bye, Lenin! als erstem deutschen Film ein Einspielergebnis von Ăźber einer Million Pfund. âDer witzigste Film aus Deutschland seit einem Jahrhundertâ, befand die Times in einem Land, in dem Humorlosigkeit zu den medialen Standardvorurteilen gegenĂźber den Deutschen gehĂśrt, und die Sunday Times legte nach: âGood Bye, Lenin! ist der beste britische Film, der nicht von Briten gemacht wurde, seit Billy Elliot.âcite-ref-a-t-teberg-25-4[25] In Spanien zog Good Bye, Lenin! rund eine halbe Million Besucher an, in Frankreich gar eineinhalb; dort blieb der Film elf Wochen in den Top Ten und lief in einigen Kinos 32 Wochen ohne Unterbrechung. Skepsis seitens der Kritik musste Good Bye, Lenin! in Frankreich nicht Ăźberwinden; stattdessen lobte man den Film allenthalben fĂźr âdie subtile Komplexität und historische Intelligenzâ (Jorge SemprĂşn), als âfrĂśhlich und melancholisch, manchmal bitterâ (Le Monde) sowie als âeine sarkastische, aber nicht nostalgische KomĂśdie Ăźber die Fehlschläge der deutschen Wiedervereinigungâ (LibĂŠration).cite-ref-a-t-teberg-25-5[25] Good Bye, Lenin! sei in unserem Nachbarland auf eine besondere âBefindlichkeitâ getroffen und als ein StĂźck âTrauerarbeitâ Ăźber den Untergang der sozialistischen Alternative, der auch in Frankreich viele anhingen, verstanden worden â dies als ein weiterer Grund fĂźr die auĂerordentliche Resonanz.cite-ref-31[31]
Ăhnlich wird dieses Phänomen auch von Kritikern aus dem ehemaligen âOstblockâ beurteilt. Das westliche Publikum habe länger an den Mythos vom sozialistischen GlĂźck geglaubt, meinte Tadeusz Sobolewski (Gazeta Wyborcza) und tadelt den Film dafĂźr, dass er dem Zuschauer âdas Recht auf nostalgischen Selbstbetrugâ gewähre. Bei der russischen Premiere von Good Bye, Lenin!, die im Rahmen des Moskauer Filmfestivals im Puschkinski, dem grĂśĂten Kino der Stadt, Ăźber die BĂźhne ging, soll die Titelszene, in der die Lenin-Statue am Seil des Hubschraubers Ăźber die Leinwand schwebt, ein âSeufzenâ in dem mit 1500 Menschen voll besetzten Saal ausgelĂśst haben. Die teils euphorischen Kritiken, die nachfolgten, bescherten dem Film auch einen beachtlichen Erfolg an den Kinokassen. In noch kommunistisch regierten Ländern konnte der Film bestenfalls auf Festivals gezeigt werden: In Hanoi war nicht einmal das mĂśglich, weshalb das dortige Goethe-Institut mit einer hauseigenen VorfĂźhrung einsprang; in Shanghai nur mit der Auflage, den Titel zu ändern in âBianqianâ (âWandelâ); in Havanna kam es zu Tumulten, weil noch gut tausend Besucher in den vollbesetzten Saal drängten.cite-ref-a-t-teberg-25-6[25]
In den USA wurde Good Bye, Lenin! der Erfolg besonders schwer gemacht. Die BehĂśrden stuften den Film als âpolitisch und moralisch bedenklichâ ein; die Wertung R wie âRestrictedâ bedeutete, dass Minderjährige unter 17 Jahren ihn nur in Begleitung Erwachsener sehen durften. Er enthalte âkommunistische Gewalttätigkeitâ, hieĂ es in der BegrĂźndung, und âpostkommunistische Nacktheitâ.cite-ref-a-t-teberg-25-7[25] Auch die Rezensenten sahen sich veranlasst, den Film zuallererst einer politischen GewissensprĂźfung zu unterziehen. FĂźr kĂźnstlerisch gelungen hielten ihn nur wenige; mehrfach wĂźnschte man sich Billy Wilder als Regisseur.cite-ref-a-t-teberg-25-8[25] Starkritiker Roger Ebert meinte, Good Bye, Lenin! sei voller âAnspielungen, die wir nicht richtig verstehenâ.cite-ref-ebert-32-0[32] David Denby (The New Yorker) hingegen verstand die âGemeinschaftâ, die Alex zur Erhaltung seiner LĂźge um sich schart, als exemplarisch fĂźr den âkommunalen Humanismus, den das System eigentlich auf nationaler Ebene hätte erzeugen sollenâ.cite-ref-33[33] Ăhnlich wie in Deutschland wurde der Kinostart in den USA nicht mit feuilletonistischen Vorschusslorbeeren bedacht. Dennoch setzte sich Good Bye, Lenin! schon am ersten Wochenende an den Kinokassen durch (57.968 $) und belegt insgesamt Rang 6 unter den erfolgreichsten deutschen Filmen in den USA.cite-ref-bernhardt-23-1[23]
Spätere Bewertungen
âGibt es ernst zu nehmende GrĂźnde fĂźr das Unbehagen, das aus der Erstrezeption durch die deutsche Filmkritik spricht?â Dieser Frage geht Kerstin Cornils 2008, also fĂźnf Jahre nach Erscheinen von Good bye, Lenin!, in ihrem Essay âDie KomĂśdie von der verlorenen Zeitâ nach. Sie weist zunächst darauf hin, dass der Film genau in jenem âvergessenen Jahrâ (Stefan Arndt) zwischen Mauerfall und Wiedervereinigung spiele, als der Widerstand der deutschen Linken gegen den âalternativlosenâ Weg zum wiedervereinten deutschen Staat am stärksten war, und dass er den später verdrängten âlinken Einspruchâ noch einmal erhebe, indem er Alex mit der Inszenierung seiner âPrivat-DDRâ den âtemporalen Ruheraumâ schaffen lasse, den die Linke sich seinerzeit ersehnt habe. Das anfängliche Unbehagen der deutschen Feuilletonkritik gegenĂźber Good bye, Lenin!, so Cornils' These, habe einen guten Grund: Zwar biete der Film eine linke Utopie an, bleibe aber auf halbem Wege stehen. Aus ihrer Sicht hätte die KomĂśdie bis zum Schluss dominieren mĂźssen. Dass das deutsche Feuilleton dies nicht ebenso klar artikuliert habe, erschlieĂt sich ihr aus der Skepsis, die es speziell gegenĂźber der deutschen FilmkomĂśdie hege. Dadurch verkenne man das Potenzial, das dem Genre generell innewohne: Es fokussiere auf âdas Ausgegrenzte, das Andere, die Systemalternativeâ. Dies ist auch der Punkt, an dem Cornils ihre Kritik an Becker festmacht. Er habe die Chance, Christiane âkonsequent als Stellvertreterin einer utopischen DDRâ zu zeichnen, versäumt; indem er ihr Lebensende vom Ende der DDR abhängig macht, werde in seinem Schlusstableau die KomĂśdie durch die TragĂśdie verdrängt.cite-ref-cornils-38-0[38]
2010 reihte die Deutsche Welle Good bye, Lenin! unter die 25 Klassiker der deutschen Filmgeschichte ein. In der BegrĂźndung heiĂt es: âMit Good bye, Lenin! schuf Regisseur Wolfgang Becker vielleicht den ultimativen Film zur Wende in Deutschland. Anders als andere Filme verspottet er den Osten nicht und er macht sich auch nicht auf zynische Weise lustig Ăźber die aus westlicher Sicht hinterwäldlerischen DDR-Bewohner. Vielmehr strahlt Good bye, Lenin! eine liebevolle Wärme und Menschlichkeit aus, die beim Publikum seinerzeit besonders gut ankam â im Westen wie im Osten. Good bye, Lenin! ist auch eine auĂergewĂśhnliche KomĂśdie Ăźber die Liebe eines Sohnes zu seiner Mutter. Daniel BrĂźhl und Katrin Sass sind in ihren Rollen mal hinreiĂend komisch, dann wieder rĂźhrend, ja sogar tragisch. Wolfgang Beckers Film zeigt aber auch ganz heiter-melancholisch, dass die DDR, obwohl sie eine sozialistische Diktatur war, fĂźr zigtausend Menschen eine Heimat war, die ihnen plĂśtzlich mit dem Fall der Mauer genommen wurde.âcite-ref-39[39]
Die Kritikerin Karen Krizanovich sieht in Good Bye, Lenin! mehr als âexzellente[n] Slapstick und herrliche[r] Satireâ: Während der Film keine Sekunde behaupte, in der DDR hätte es sich gut leben lassen, so zeige er, was in der âWelle des Kapitalismusâ verlorengegangen sei.cite-ref-1001f-13-1[13]
In der RĂźckschau ergibt sich insgesamt ein gutes Presseecho, was sich auch in den Auswertungen US-amerikanischer Aggregatoren widerspiegelt. So erfasst Rotten Tomatoes grĂśĂtenteils positive Besprechungen und ordnet den Film dementsprechend als âZertifiziert Frischâ ein.cite-ref-rotten-tomatoes-34-1[34] Laut Metacritic fallen die Bewertungen im Mittel âGrundsätzlich Wohlwollendâ aus.cite-ref-metacritic-35-1[35]
Auszeichnungen
Im Erscheinungsjahr 2003 war Good Bye, Lenin! der groĂe Gewinner sowohl beim Deutschen als auch beim Europäischen Filmpreis mit acht beziehungsweise sechs Auszeichnungen. Im Jahr darauf erhielt er mit einem CĂŠsar und einem Goya die renommiertesten Filmpreise Frankreichs und Spaniens. Ebenfalls 2004 wurde Good Bye, Lenin! bei den Golden Globes als Bester fremdsprachiger Film nominiert, wurde aber von der Jury nicht berĂźcksichtigt.cite-ref-0-19-1[19] Nachfolgend eine Auswahl wichtiger nationaler und internationaler Preise und Nominierungen.
National
⢠2002
⢠Deutscher Filmpreis in der Kategorie Bestes Drehbuch (Wolfgang Becker, Bernd Lichtenberg)cite-ref-40[40]
⢠2003
⢠Deutscher Filmpreis in den Kategorien Bester Spielfilm â Lola in Gold, Beste männliche Hauptrolle (Daniel BrĂźhl), Beste männliche Nebenrolle (Florian Lukas), Beste Regie (Becker), Bester Schnitt (Peter R. Adam) Bestes Szenenbild (Lothar Holler), Beste Filmmusik (Yann Tiersen) und âPublikumspreis/Film des Jahresâ; auĂerdem nominiert in den Kategorien Beste weibliche Hauptrolle (Katrin Sass) und Beste weibliche Nebenrolle (Maria Simon).
⢠Bambi fßr Daniel Brßhl, Florian Lukas und Katrin Sass
⢠Gilde-Filmpreis in Gold: Bester deutscher Film
⢠Goldene Leinwand
⢠2004
⢠Jupiter in den Kategorien Bester deutscher Film, Beste deutsche Darstellerin (Katrin Sass) und Bester deutscher Darsteller (Daniel Brßhl)
⢠Bayerischer Filmpreis in der Kategorie Publikumspreis (Becker)
⢠Deutscher Kamerapreis: Nominierung fßr Martin Kukula
International
⢠2003
⢠Europäischer Filmpreis in den Kategorien Bester Film (Stefan Arndt), Bester Darsteller (Daniel BrĂźhl) und Bestes Drehbuch (Bernd Lichtenberg), Publikumspreis Beste Regie (Becker), Publikumspreis Bester Darsteller (Daniel BrĂźhl), Publikumspreis Beste Darstellerin (Katrin Sass); auĂerdem nominiert in den Kategorien Beste Regie (Becker) und Beste Darstellerin (Sass)
⢠Berlinale: Blauer Engel fßr den Besten europäischen Film; nominiert fßr den Goldenen Bären (beide Becker)
⢠2004
⢠Golden Globe: nominiert als Bester fremdsprachiger Film
⢠CÊsar (Frankreich): Bester ausländischer Film (Becker)
⢠Goya (Spanien): Bester europäischer Film (Becker)
⢠Bodil (Dänemark): Bester nicht-amerikanischer Film (Becker)
⢠Robert (Dänemark): Bester nicht-amerikanischer Film (Becker)
⢠US Comedy Arts Festival: Bester fremdsprachiger Film
⢠BAFTA Awards (GroĂbritannien): nominiert als Bester nicht-englischsprachiger Film (Becker, Stefan Arndt)
⢠David di Donatello (Italien): nominiert als Bester europäischer Film (Becker)
⢠Golden Eagle Awards (Russland): nominiert als Bester ausländischer Film (Becker)
⢠Guldbagge (Schweden): nominiert als Bester ausländischer Film (Becker)
Interpretation
Familien- und Zeitgeschichte
âFamilienthemen scheinen mich zu interessieren, das zieht sich durch alle meine Filmeâ,cite-ref-t-t-teberg-15-1[15] konstatiert Wolfgang Becker, der mit Kinderspiele und Das Leben ist eine Baustelle bekannt wurde, worin er dem Publikum auch die historischen Umstände, in denen sie spielen, näherbringt. Good Bye, Lenin! verschränkt Familien- und Zeitgeschichte noch enger allein durch den Anfangs- und Endpunkt der Haupthandlung. Darin geht es um das Sterbejahr der Protagonistin, das parallel zu dem der DDR verläuft â fĂźr beide beginnend am 7. Oktober 1989 und fast auf den Tag genau ein Jahr später endend.
Ist das Ende der DDR genau fixiert, wird der âAnfang vom Endeâ von Historikern verschieden verortet; nicht selten gehen sie dabei Ăźber das Wendejahr hinaus (zum Beispiel zur Biermann-AusbĂźrgerung 1976). Good Bye, Lenin! beginnt mit einer solchen Zäsur, die Jahre zurĂźckliegt, der Republikflucht des Vaters. Christianes Beichte legt seinen wahren Beweggrund offen: ein Loyalitätskonflikt, wie er vielen DDR-BĂźrgern zugemutet wurde. Sein berufliches Fortkommen als Arzt sollte er sich erschwindeln durch den Eintritt in die Partei. Er entschied sich fĂźr die Treue zu sich selbst. Die Konsequenz, die er daraus zog, war illegale Flucht; der Preis, den er dafĂźr zahlte, Verlust der Familie. (Nicht fahrlässig; er hatte allen Grund, an die Loyalität und Liebe seiner Frau zu glauben; er wartete und hoffte mehrere Jahre, schrieb Briefe, die Christiane ungeĂśffnet versteckte.) Der Film zeigt ihn auch 12 Jahre später mit neuer Familie, groĂem Freundeskreis, offenbar beruflich erfolgreich, also voll und ganz im Westen âangekommenâ. Menschen wie ihn, mit seiner geistigen Kapazität und moralischen Integrität, hat die DDR in groĂer Zahl verloren und vertrieben. Auch diesen Aderlass kann man, in Summe, als âAnfang vom Ende der DDRâ sehen.
Christiane steht ihrem Mann in puncto moralischer Integrität in nichts nach, daran lässt der Film keinen Zweifel. Dennoch wirft ihre im Prolog erzählte Vorgeschichte Fragen auf, die sich nicht restlos erschlieĂen. Klar scheint zunächst ihr Motiv, warum sie keinen Ausreiseantrag stellte und mit den Kindern in der DDR blieb: Ganz auf sich allein gestellt, gewannen ihre Ăngste vor den drohenden massiven Widerständen (als Nichtprominente, noch dazu als Lehrerin) und Repressalien (bis hin zu Kindesentzug) die Oberhand. Sogar einen Suizid erwog sie während ihrer 8-wĂśchigen Depression, wie sie später dem erwachsenen Alex gesteht. Warum aber dann ihre âFlucht nach vornâ, ihr Schulterschluss mit dem âsozialistischen Vaterlandâ? Ăber ihre Vorvergangenheit erzählt der Film nichts. Ist es ihr Naturell, das nach Aktivität verlangt? Glaubt sie, sich und die Kinder so am besten zu schĂźtzen? Spielt sie ihnen und der Ăffentlichkeit gar etwas vor?cite-ref-41[41] Macht sie sich selbst etwas vor mit ihren Eingaben, die ihr SelbstwertgefĂźhl heben, aber die der Staat auch instrumentalisiert durch Auszeichnungen (die sie weder ablehnt noch angenehm zu finden scheint)? Was immer Christianes Engagement motiviert â moralisch fragwĂźrdig ist es nicht.
Dennoch zahlt sie dafĂźr letztlich einen hohen Preis. Zum einen ist es die jahrelang verdrängte Last der als schuldhaft empfundenen Trennung von ihrem Mann, die irgendwann zurĂźckschlägt, zum anderen die partielle Realitätsblindheit, in die sie sich durch ihre Nischenexistenz manĂśvriert hat. Letzteres holt sie zuerst ein. Als sie am Abend des 7. Oktober auf dem Weg zum offiziellen Staatsakt in die Gegendemonstration gerät, ist es augenscheinlich nicht allein der Schock Ăźber Alexâ Verhaftung, der zu ihrem Kollaps fĂźhrt, sondern das Entsetzen angesichts der Brutalität Ăźberhaupt, mit der die Einsatzkräfte im Namen jener Staatsmacht vorgehen, die sich wenige Meter entfernt selbst feiert und, auch von ihr, hofieren lassen will. Der zweite und letale Infarkt ereilt Christiane dann ein knappes Jahr später, nachdem sie sich endlich ihre groĂe LebenslĂźge von der Seele geredet hat. Ein ZurĂźck gibt es fĂźr sie freilich nicht mehr, nur noch den Trost eines letzten Wiedersehens mit ihrem Mann.
Ihre Kinder Ariane und Alex, bei Beginn der Wende Anfang 20, repräsentieren am ehesten die Mitte der DDR-Gesellschaft zu dieser Zeit. Ariane studiert und ist schon Mutter, Alex arbeitet in einer PGH. Ihre Haltung ist eher abwartend; weder folgen sie dem trotzigen Engagement ihrer Mutter noch dem ständig grĂśĂer werdenden Tross gen Westen. Spätestens mit dem Mauerfall entwickeln sich die Geschwister dann ein StĂźck weit auseinander. Ariane schĂźttelt ihre DDR-Vergangenheit, samt Studium, kurzerhand ab und nimmt den erstbesten Job an, um gut leben zu kĂśnnen. Alexâ aufwendig inszenierter Retrotour schlieĂt sie sich nur widerstrebend an. Im Schlussteil des Films, als der Vater wieder auftaucht und der wahre Grund fĂźr seine Republikflucht ans Licht kommt, offenbart sich dann auch bei ihr Verborgenes, Verdrängtes: Einige eindrĂźckliche Szenen lassen erahnen, wie tief ihre Vaterliebe gewesen sein muss und wie tief die Verletzung durch ihren Verlust â ein Verlust, den ihr die Erkenntnis, dass er auf einem Irrtum beruhte, nicht zurĂźckbringen kann.
Alex sei ein âganz normaler Typâ, meint Daniel BrĂźhl, der âin dieser Phase seines Lebens nicht so recht weiĂ, wohin mit sichâ.cite-ref-t-br-hl-42-0[42] Auch nach dem Mauerfall wirkt er zunächst noch so. Es liegt an zwei Frauen â seiner Mutter, die er umsorgt, und Lara, mit der er seine erste Liebe erlebt â, dass er nicht ganz mit dem Strom mitschwimmt. Auf einer politischen Ăberzeugung grĂźndet das nicht, ebenso wenig wie später sein Coup, seine Mutter retten zu wollen, indem er die DDR ârettetâ. Abgesehen davon, sitzt Alex dabei auch einem Irrtum auf: Er sieht in seiner Mutter eine âstramme Genossinâ, eine, die treu der Parteilinie folgt. Das sei sie keineswegs, betonen Wolfgang Becker und Katrin Sass Ăźbereinstimmend, die diesem Missverständnis in Filmkritiken und Publikumsgesprächen häufig begegneten.cite-ref-x-becker-5-18[5]cite-ref-t-sass-10-1[10]
Worum es seiner Mutter wirklich geht, merkt Alex erst, als sein Coup zu scheitern droht und er sich mehr und mehr in sie einfĂźhlt. Letztlich erfindet er dann eine DDR mit einem geistigen Klima, wie sie es sich gewĂźnscht hätte (und er auch) â ein Land, das sich auf jene Ideale besinnt, mit denen es einst angetreten war und die Christiane in ihrer âNischeâ, so gut es ging, zu leben versuchte. Als SchĂśpfer und Erzähler der Geschichte gelingt es ihm so, diese Ideale zu bewahren. Seine Mutter vor dem Tode zu bewahren, gelingt ihm hingegen nicht, wodurch der Film seine tragische Grundierung bis zum Schluss beibehält. Den ironischen Ton aber auch, ist es doch ausgerechnet Alex selbst, dem entgeht, was ihm eigentlich gelungen ist: Er glaubt ja, sie sei glĂźcklich gestorben, weil sie seine LĂźge nicht durchschaut hat.
Familiäre und mediale Lßgen
âEin Spielfilmâ, zitiert Becker ein bekanntes Bonmot, âist eigentlich nichts anderes als 24 Mal LĂźge pro Sekunde.âcite-ref-43[43] Von daher sei âdie Fälschung innerhalb einer Fälschungâ noch einmal âetwas ganz Besonderesâ.cite-ref-ex-genau-9-2[9] Good Bye, Lenin! handelt ganz wesentlich von Fälschungen, Täuschungen und LĂźgen, offenen wie versteckten. Familien- und Zeitgeschichte greifen auch hier ineinander, sind es doch die äuĂeren Umstände, die aus moralisch integren Menschen LĂźgner machen. Bei Alex steht zu Beginn eine GelegenheitslĂźge (er erzählt seiner Mutter, sie sei beim Schlangestehen vor einer Kaufhalle kollabiert). Weil sie funktioniert, errichtet er ein ganzes LĂźgengebäude, und weil es ständig einzustĂźrzen droht, muss er immer wieder neue LĂźgen erfinden und alle involvierten Personen zu seinen Komplizen machen. Mit der Zeit verselbstständigt sich das und wird eine Art âSportâ (âDu musst dich einmal Ăźberwindenâ, redet er seinem Vater zu, âdanach ist es ganz einfachâ). Da Alex aber in humaner Absicht handelt, gehĂśrt ihm die Sympathie des Zuschauers und letztlich sogar des belogenen Menschen selbst: Als Christiane ihn durchschaut, spielt sie sein Spiel mit und gĂśnnt ihm die Freude, seinen âErfolgâ auszukosten. âDie LĂźge als Medium der Liebeâ â das habe Becker an der Geschichte gereizt.cite-ref-t-t-teberg-15-2[15] SchlieĂt das Christianes LebenslĂźge mit ein?cite-ref-44[44]
Anders als Alex, lĂźgt Christiane im Grunde nur ein einziges Mal. Das ihrem Mann versprochene Bekenntnis zur Wahrheit (Ausreiseantrag) scheut sie aus der begrĂźndeten Furcht vor dem grĂśĂtmĂśglichen Ăbel (Kindesentzug). Allerdings bleibt ihr als Alternative nur ein Weg, um ihre noch halbwĂźchsigen Kinder davon abzubringen, der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Ihre LĂźge muss jeden Zweifel ausschlieĂen, also erzählt sie ihnen, Robert sei wegen einer anderen Frau im Westen geblieben. Der gewĂźnschte Effekt tritt ein (âWir sprachen nie mehr von Vaterâ). Der in Kauf genommene Preis aber auch. Christianes LĂźge kappt, mit den äuĂerlichen, zugleich auch die innerlichen Bande, die ihre Kinder mit dem Vater verbinden; indem sie ihn zum LĂźgner stempelt, nimmt sie ihnen die Vaterliebe weg. Die Langzeitfolgen fĂźr sie selbst wiegen noch schwerer. Nicht von ungefähr beginnt sie ihre Beichte mit der scheinbaren Ăbertreibung âIch hab euch die ganze Zeit belogenâ. Es muss sich fĂźr sie so angefĂźhlt haben. Zuerst das vĂśllige Verstummen während der 8-wĂśchigen schweren Depression, dann die jahrelangen Anfechtungen durch die Briefe, die sie nicht Ăśffnete und doch hinter dem KĂźchenschrank wusste. Als ihren âgrĂśĂten Fehlerâ sieht sie ihre Entscheidung jetzt, freilich im VorgefĂźhl des Todes. Ihre LĂźge endet tragisch, wogegen Alex LĂźge vor allem komisch wirkt.
Beide familiären LĂźgen haben aber auch Gemeinsames. Zum einen konstruiert der LĂźgner eine Scheinwelt und wacht darĂźber, dass nichts von auĂen eindringt, was sie gefährden kĂśnnte,cite-ref-45[45] zum anderen baut er darauf, dass der Belogene ihren Wahrheitsgehalt nicht selbst ĂźberprĂźfen kann â sei es durch eine Mauer, eine Krankheit, oder (was in beiden Fällen hinzukommt) durch tatsächliche beziehungsweise bewusst forcierte UnmĂźndigkeit. Das kennzeichnet auch die medialen LĂźgen, die Good Bye, Lenin! vorfĂźhrt. Ihr Entstehen kommentiert Alex aus dem Off so: âWahrheit ist eine zweifelhafte Angelegenheit, die ich leicht Mutters gewohnter Wahrnehmung angleichen konnte. Ich musste nur die Sprache der âAktuellen Kameraâ studieren und Denisâ Ehrgeiz als Filmregisseur anstacheln.â Die DDR-Nachrichtensendung (das âSandmännchen fĂźr erwachsene DDR-BĂźrgerâ),cite-ref-t-t-teberg2-46-0[46] die nach Beckers Einschätzung vor allem durch das Ausblenden von Wichtigem und das Aufbauschen von Unwesentlichem geprägt war,cite-ref-ex-genau-9-3[9] dient den beiden medialen Manipulatoren Alex und Denis allerdings bald schon nur noch als Folie. Ihre eigenen Inszenierungen sind dreist, aber alles andere als drĂśge. Nicht unähnlich den Eingaben, die Christiane verfasst, erschaffen sie sich darin ein âheiteres poetisches Reichâ. Dessen Kehrseite ist, dass es das Original auch verharmlost.cite-ref-cornils-38-1[38]
Erinnerung und Ostalgie
Im Sommer 2003 erreichte die Ostalgiewelle im deutschen Fernsehen ihren HĂśhepunkt. Mit Sendeformaten wie âMeyer und Schulz â die ultimative Ostshowâ (Sat.1), âEin Kessel DDRâ (MDR) oder âDDR-Showâ (ZDF) buhlten private wie Ăśffentlich-rechtliche Fernsehanstalten um die Gunst vermeintlich DDR-nostalgischer Zuschauer. Dass die Macher dieser Sendungen den Erfolg von Good Bye, Lenin! verstetigen wollten, liegt auf der Hand.cite-ref-bernhardt-23-2[23] Fraglich ist, ob sie damit dem Film selbst gerecht wurden. Das Marketingkonzept, das die Verleihfirma von Good Bye, Lenin! bei den Previews verfolgte, leistete allerdings dem âOstalgieverdachtâ Vorschub. So seien Kinofoyers in ein âDDR-Panoptikumâ verwandelt worden, dekoriert mit DDR-Fahnen und -Utensilien aus dem Alltagsleben; unter dem Motto âGood Bite, Lenin!â wurden Spreewaldgurken (Christianes Lieblingsspeise?) als âDie Gurke zum Filmâ verteilt; im CineStar Jena konnte man mit DDR-Mark bezahlen, in GĂśrlitz kam umsonst ins Kino, wer in FDJ-Blauhemd oder NVA-Uniform erschien, in Braunschweig durchschritt man am Eingang einen Schlagbaum und eine Mauer aus PappmachĂŠ.cite-ref-a-t-teberg-25-9[25]
Auch die Sekundärtexte trugen dazu bei, dass Good Bye, Lenin! von Anfang an in ein fragwĂźrdiges Licht geriet. Das legt eine speziell auf den Ostalgiediskurs ausgerichtete Untersuchung nahe, die Petra Bernhardt 2009 unter dem Titel âSpielâs noch mal, Erich?â vorlegte. Darin kommt sie zum Ergebnis, dass kaum einer der 40 Textbeiträge, die sie analysierte, sich in angemessener Weise mit der Filmhandlung und der Protagonistin beschäftige. Stattdessen wĂźrden oft Vorurteile Ăźber die Charaktere gestĂźlpt â Alex als âtypischer Ossiâ, etwas verträumt und mit mangelndem Selbstbewusstsein, Christiane als âbis zur Neurose linientreue Figurâ. Einerseits gerate also das, worum es eigentlich gehe, die Familiengeschichte, aus dem Blickfeld, andererseits das, was nur den Hintergrund bilde, in den Fokus. So komme kaum ein Text ohne die Verwendung des Ostalgie- oder Nostalgiebegriffs aus, und fast Ăźberall, gerade auch in den Beiträgen aus dem nicht deutschsprachigen Raum, wĂźrde auf âErinnerung an die DDRâ als thematischer Schwerpunkt âkurzgeschlossenâ, wobei die Deutungen, wie der Film das tue, weit auseinandergingen zwischen einer âBeschwĂśrung des alten Systemsâ und seiner âGrablegungâ. In Summe sieht Bernhardt nach Auswertung der Texte ihre These bestätigt, dass die BRD im Geschichtsdiskurs Ăźber die DDR zu dem âhegemonialen Reflexâ neige, âErinnerung abseits diktaturgeschichtlicher Erfahrung als Ostalgie abzukanzelnâ.cite-ref-bernhardt-23-3[23]
Von einer Filmerzählung âabseits diktaturgeschichtlicher Erfahrungâ kann freilich gar keine Rede sein â im Gegenteil. Denn es sind ja ganz eindeutig die politischen Verhältnisse in der DDR, die dazu fĂźhren, dass die im Mittelpunkt stehende DDR-Familie unwiederbringlich auseinandergerissen wird. Neben diesem Argument, das allein schon Good Bye, Lenin! des âOstalgieverdachtsâ enthebt, sei noch darauf verwiesen, dass der Film das Leben im Realsozialismus der DDR im Grunde nur streift. Der weitaus grĂśĂte Teil der Handlung liegt ja im Wendejahr 1989/90, in einer Zeit des Ăbergangs also, und was sich währenddessen in Christiane Kerners Zimmer an âDDR-Lebenâ abspielt, ist Inszenierung. Nur die erste Viertelstunde zeigt punktuell etwas, das man als DDR-Realität bezeichnen kann, und mehr als die Hälfte davon gehĂśrt dem 7. Oktober mit den dramatischen Verwerfungen innerhalb der Familie, die erneut ausgelĂśst werden durch diejenigen auĂerhalb (Niederschlagung der Demo, Alexâ Verhaftung und Aufenthalt im Stasi-Gefängnis, Christianes Herzinfarkt und Koma).
Was dem entgegensteht und vielleicht doch GefĂźhle auslĂśst, die Erinnerungen an die DDR verklären, wirkt im Vergleich dazu recht vage, hängt stark vom Betrachter ab und wäre wohl nur durch eine breite Zuschauerbefragung genauer festzumachen. Zwei Argumente seien auch hier erwähnt. Erstens: Die wenigen Anfangsminuten, die schlaglichtartig eine eindeutig schĂśne DDR-Kindheitswelt zeigen, gehĂśren allesamt in den Bereich der sinnvoll verbrachten Freizeit in Gemeinschaft (Datsche, Pioniereisenbahn, Junge Raketenbauer, Neptunfest, Chorsingen), wobei es der Film vermeidet, den moralischen Zeigefinger zu erheben (Achtung: nicht ideologiefrei). Im Ergebnis kann es sehr wohl sein, dass das wenige SchĂśne stärker haftet, weil es sich mit selbst Erlebtem oder auch ErwĂźnschtem verbindet. Zweitens: Die nicht minder schĂśne, eingängige Filmmusik gibt schon im Vorspann eine (durch kein Gegenmotiv gebrochene) Stimmung vor, die leicht Wehmut weckt, und Ăźberlagert im Epilog mĂśglicherweise den nĂźchternen Blick auf die Bilder, die die Realität eines maroden Landes zeigen. Hinzu kommen vertraute Melodien. Einmal ertĂśnt der AbendgruĂ des Sandmännchens, und gleich dreimal âUnsere Heimatâ, ein Pionierlied, das alle DDR-Kinder im Grundschulalter (kennen)lernten â im Film stets ohne die tendenziĂśsen Schlusszeilen vorgetragen (was in einem Fall sichtbar Christianes Entscheidung ist) und zumindest zweimal auch wohlklingend. Das âHerzstĂźckâ des Films sei dieses Lied, heiĂt es im Audiokommentar dreier Hauptdarsteller, und â Wolfgang Becker habe erzählt, beim Casting hätten viele MĂźtter, als sie ihren Kindern beim Vorsingen von âUnsere Heimatâ zuhĂśrten, geweint.cite-ref-x-br-hl-16-2[16]
Jßngst legte der deutsch-amerikanische Historiker Andreas W. Daum eine Neuinterpretation vor, welche die Deutung von Good-Bye Lenin! als Dokument der Ostalgiewelle hinterfragt. Er schlägt vor, auch jenseits des spezifischen DDR-Hintergrunds die Charaden von Alex als legitime Strategie des Verarbeitens von dramatischem, gesellschaftlichem Wandel zu verstehen, d. h. weder als Verklärung noch als Falsifizierung von Geschichte.cite-ref-47[47]
Hintergrund
Anmerkungen
⢠Einen Roman mit einem ähnlichen Plot (âDer Unsterblicheâ) verĂśffentlichte die russische Schriftstellerin Olga Slawnikowa im Oktober 2001. Nach Erscheinen von Good Bye, Lenin! erwog sie eine Anklage wegen Plagiats, lieĂ sie aber wieder fallen. Zum Zeitpunkt der Publikation ihres Romans war das Drehbuch bereits fertig und der Dreh im vollen Gange.cite-ref-imdb-48-0[48]
⢠Ăhnlichen Inhalts ist auch Ilja Ehrenburgs Erzählung Im rosa Häuschen, die seinen Sammelband Unwahrscheinliche Geschichten (1922) erĂśffnet. Darin verheimlicht die Tochter eines zaristischen Generals, der durch die Folgen seiner Schlaganfälle ans Haus gefesselt ist, die Revolutionen im Jahr 1917 und die gesellschaftlichen Umwälzungen in Russland. Dies geht soweit, dass der General sogar seinen von der Tscheka gesuchten Neffen fĂźr einen antimonarchistischen Staatsfeind hält und den Ermittlern, in denen er zaristische Polizisten sieht, dessen Versteck verrät. Als die wĂźtende Tochter ihm daraufhin die Wahrheit offenbart, will er diese nicht glauben.cite-ref-49[49]
⢠Die Grundidee des Films â eine Todkranke wird von der Umwelt weitgehend isoliert und nur mit gefilterten Nachrichten versorgt, um Aufregung von ihr fernzuhalten â lässt auch an die letzten zwei Lebensjahre Lenins denken, der unter vergleichbaren Bedingungen ans Bett gefesselt war bzw. wurde. Die BeweggrĂźnde seines âBeschĂźtzersâ, Josef Stalin, ähnelten allerdings nur äuĂerlich denen von Alex.cite-ref-imdb-48-1[48]
⢠Chulpan Khamatova, die Darstellerin der sowjetischen Lernschwester Lara, war die Erste, deren Engagement feststand. Eine schwerwiegende Erkrankung von ihr verzĂśgerte den Drehbeginn; das Fortschreiten ihrer Schwangerschaft war spätestens, als Nachdreharbeiten anstanden, nicht ganz leicht zu verbergen. Da ihr Deutsch nicht gut genug war, um improvisieren zu kĂśnnen, lernte sie ihren Part auswendig â mit dem Nachteil, dass er so nur durch ihren Akzent gefärbt war und zu ârichtigâ wirkte. Becker entschied daher, ihren Text zunächst einmal ins Russische zu Ăźbersetzen und dann, Wort fĂźr Wort, wieder zurĂźck ins Deutsche, mit typischen Syntax- und anderen grammatischen Fehlern.cite-ref-x-becker-5-19[5]
⢠Die einzige Doppelrolle im Film hat JĂźrgen Vogel, obwohl das in dem einen Fall nicht geplant war (er sprang fĂźr einen fehlenden Komparsen ein und steht in der vordersten Reihe der bei der Demo am 7. Oktober Inhaftierten) und in dem anderen nicht unbedingt ânĂśtigâ (verkleidet als RiesenkĂźken, das, wie in Beckers Das Leben ist eine Baustelle, durch eine Kaufhalle spaziert).cite-ref-x-becker-5-20[5]
Filmfehler
Um die Erzählillusion nicht zu stĂśren, war Becker sehr darauf bedacht, auch kleinste Filmfehler zu vermeiden. Das war keine geringe Herausforderung in Anbetracht dessen, dass eine zu groĂen Teilen verlorengegangene Dingwelt zu rekonstruieren und zugleich fĂźr den Plot von elementarer Wichtigkeit war. Sachkundig unterstĂźtzt durch eine erfahrene Crew â allen voran Szenenbildner Lothar Holler â, wurde sie dennoch weitestgehend gemeistert. Bei dem Wenigen, das als unstimmig erkannt wurde, ist zu unterscheiden in a) von den Autoren selbst benannte Fehler, b) nicht selbst benannte, c) absichtliche und d) vermeintliche.
⢠a) Daniel BrĂźhl ist Linkshänder, der Darsteller jedoch, der Alex im Kindesalter spielt, malt rechtshändig. â Einer der Briefe ihres Vaters, die Ariane hinter dem KĂźchenschrank findet, ist adressiert an Christine Kerner, statt Christiane. â Der Kollege von Alex und Denis, der die Sektflasche nach dem deutschen Halbfinalsieg bei der FuĂball-WM 1990 entkorkt, trägt ein Shirt der WM 1994. â Der nächtliche Blick aus der Kernerschen Wohnung ist anachronistisch; zu dem Zeitpunkt gab es dort weder die gezeigte moderne Bahn vom Typ GT6N noch eine StraĂenbahnstrecke Ăźberhaupt.cite-ref-x-inter-50-0[50]
⢠b) Der âfalscheâ Sigmund Jähn trägt bei seinem Amtsantritt als Staatsratsvorsitzender die Uniform eines Obersts, der echte war zu dem Zeitpunkt bereits Generalmajor. â Obwohl Christiane während ihres langen Komas mittels einer Tracheotomie beatmet wurde, hat sie nach dem Aufwachen keine Narbe am Hals. â Als Alex Ex-Direktor Klapprath zur Geburtstagsfeier seiner Mutter chauffiert, ist im Kreisverkehr fĂźr einen kurzen Moment zwischen anderen Fahrzeugen ein Mazda6 zu erkennen, der erst ab dem Jahr 2002 gebaut wurde. â Verschiedenes, das es zum Handlungszeitpunkt noch gar nicht oder nicht in dieser Form gab: Rotwein der Marke Blanchet; VerpackungstĂźten von âJacobs KrĂśnungâ; Einkaufsbeutel der Berliner Supermarktkette Reichelt; die âBankgesellschaft Berlinâ auf dem Berolinahaus.cite-ref-imdb-48-2[48]
⢠c) Unter den gezeigten Zeitungen, die am 10. November 1989 in groĂer Aufmachung vom Mauerfall berichten, ist auch eine absichtlich gefälschte der franzĂśsischen LibĂŠration; an diesem Tag, einem Freitag, war sie wegen eines Streiks nicht erschienen.cite-ref-x-inter-50-1[50]
⢠d) Das im âDigital Rainâ-Stil gehaltene T-Shirt, das Denis einmal trägt, ist nur angelehnt an den Film Matrix und erklärt sich aus der ursprĂźnglichen Intention des Drehbuchs, ihn auch als cineastischen Visionär zu zeigen; in einer Szene, die dem Schnitt zum Opfer fiel, erklärt er Alex eine seiner Filmideen (âDer Planet der Vergessenenâ) mit einer Handlung, die der von Matrix ähnelt.cite-ref-x-inter-50-2[50]
Literatur
BĂźcher
⢠Michael TÜteberg (Hrsg.): Good Bye, Lenin! Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2003, ISBN 978-3-89602-431-2 (mit vollständigem Drehbuch, Interviews und Texten, Filmfotos und Making-of).
Wissenschaftliche Beiträge
⢠SeĂĄn Allan: âGood Bye, Lenin!â Ostalgie und Identität im wieder vereinigten Deutschland. (PDF) In: German as a foreign language Journal. Nr. 1, 2006, S. 46â59.
⢠Malte Behrmann: Der Erfolg von âGood Bye Lenin!â in Frankreich. In: Kino und Spiele. ibidem, Stuttgart 2005, ISBN 3-89821-469-9, S. 72â129.
⢠Petra Bernhardt: Spielâs noch mal, Erich? Eine hegemonietheoretisch orientierte Lesart von âGood Bye, Lenin!â als Beitrag zum Ostalgiediskurs. In: Wolfgang Bergem, Reinhard Wesel (Hrsg.): Deutschland fiktiv. Die deutsche Einheit, Teilung und Vereinigung im Spiegel von Literatur und Film. Lit, Berlin 2009, ISBN 978-3-8258-9713-0, S. 89â130.
⢠Kerstin Cornils: Die KomĂśdie von der verlorenen Zeit. Utopie und Patriotismus in Wolfgang Beckers âGood Bye Lenin!â In: JĂśrn Glasenapp, Claudia Lillge (Hrsg.): Die FilmkomĂśdie der Gegenwart (= UTB. Nr. 2979). Fink, Paderborn 2008, ISBN 978-3-7705-4495-0, S. 252â272.
⢠Andreas W. Daum, Good Bye, Lenin! (2003). Coping with Change â and the Future in the Counterfactual. In: Deutsche Filmgeschichten. Historische Porträts, hg. v. Nicolai Hannig, Annette Schlimm und Kim WĂźnschmann, ISBN 978-3-8353-8448-4, Wallstein, GĂśttingen, 2023, 221â227.
⢠Matthias Dell: Der filmische Osten. Das Bild der DDR im gesamtdeutschen Kino. In: DEFA-Stiftung (Hrsg.): apropos: Film 2005. Das 6. Jahrbuch der DEFA-Stiftung, Bertz + Fischer Verlag Berlin 2005, ISBN 978-3-86505-165-3, S. 140â151.
⢠Jennifer M. Kapczynski: Negotiating Nostalgia: The GDR Past in âBerlin is in Germanyâ and âGood Bye, Lenin!â. In: The Germanic Review. Band 82, Nr. 1, 2007, S. 78â100 (englisch).
⢠Kathrin Lange: Postmoderne-Diskurs und âOstalgieâ im Kino â Studie zu den Filmen âSonnenalleeâ und âGood Bye, Lenin!â. In: Kulturation 1/2005.
⢠Thomas Lindenberger: Gewalt und Wahrheit: Verkehrte Welt in Good Bye, Lenin! In: WerkstattGeschichte 37/2004, S. 101â114 (pdf).
⢠Michael TĂśteberg: Welcome, Lenin! Die internationale Karriere von Wolfgang Beckers âGood Bye, Lenin!â In: DEFA-Stiftung (Hrsg.): apropos: Film 2005. Das 6. Jahrbuch der DEFA-Stiftung. Bertz + Fischer Verlag Berlin 2005, ISBN 978-3-86505-165-3, S. 173â187.
Gespräche
⢠Dominik Kamalzadeh: Unfreiwillig komisch! Die DDR als Publikumshit: Wolfgang Beckers WendekomĂśdie âGood Bye, Lenin!â Interview mit Wolfgang Becker, Regisseur von âGood Bye, Lenin!â In: Der Standard, 9. Mai 2003.
⢠Ralph GeisenhanslĂźke: Filmaufbau Ost. Interview mit Lothar Holler, Filmausstatter von âGood Bye, Lenin!â In: Die Zeit, 22. Dezember 2003.
Rezensionen
⢠Nikolaus von Festenberg: Sandmännchen rettet die DDR. In: Der Spiegel. Nr. 6, 2003 (online).
⢠Evelyn Finger: Die unsinkbare Republik: Wolfgang Beckers TragikomÜdie kennt viele Arten von Gelächter. In: Die Zeit, Nr. 7/2003
⢠Anke Westphal: Was unterging, taucht nicht mehr auf: âGood Bye, Lenin!â legt heiter Distanz ein â das macht traurig. In: Berliner Zeitung, 8. Februar 2003.
⢠Jana Hensel: Die DDR wird Spekulationsobjekt. In: Welt am Sonntag, 9. Februar 2003.
⢠Daniel Haufler: Die DDR ist eine Baustelle. In: taz, 10. Februar 2003.
⢠Gunnar Decker: Ortswechsel. Zeitenwechsel. Weltenwechsel. In: Neues Deutschland, 11. Februar 2003.
⢠Andreas Kilb: Ein Traum von Deutschland: Wolfgang Beckers âGood Bye, Lenin!â im Kino. In: FAZ, 13. Februar 2003.
⢠Oliver Michalsky: Da musste erst ein Wessi kommen? In: Die Welt, 18. Februar 2003
⢠Eckhard Fuhr, Elmar Krekeler, Michael Pilz, Hanns-Georg Rodek: Nur im Falschen gibt es Wahres. In: Die Welt, 26. Februar 2003
⢠Matthias Dell: Sandmann, lieber Sandmann. In: Der Freitag, 28. Februar 2003.
⢠Claudia Schwartz: âGood Bye, Lenin!â: Das wahre Leben im falschen. In: NZZ, 17. März 2003
⢠Dominik Kamalzadeh: Untergang vorläufig verschoben. âGood Bye, Lenin!â dreht die Wende um. In: Der Standard, 9. Mai 2003.
⢠David Denby: Women and the System. In: The New Yorker, 8. März 2004 (englisch)
⢠Mark Jenkins: Hello, Good Bye. In: The Washington Post, 19. März 2004 (englisch)
⢠Roger Ebert: âGood Bye, Lenin!â. 26. März 2004 (englisch, eigene Website)
Artikel mit relevantem Bezug zum Film
⢠Nikolaus von Festenberg: Kinder haften fßr ihre Eltern. In: Der Spiegel. Nr. 13, 2003 (online).
⢠Holger Witzel: Das Märchen von der Ostalgie. In: Der Stern, 2. September 2003.
⢠Alexander Osang: Zu Gast im Party-Staat. In: Der Spiegel. Nr. 37, 2003 (online).
⢠JĂźrg Altwegg: Gewinner: âGood Bye, Lenin!â in Frankreich. In: FAZ, 14. September 2003.
⢠Jan Schulz-Ojala: Beckers Bester. Berliner Kinolegenden (5): âGood Bye, Lenin!â. In: Der Tagesspiegel, 20. März 2004.
⢠Claudia Rusch: Richtige Gefßhle im falschen Staat: Erinnerungen an die DDR. In: Die Welt, 2. Oktober 2004.
Lehrmaterialien
⢠Cristina Moles Kaup: Filmheft. (PDF) Bundeszentrale fßr politische Bildung, November 2003.
⢠Germana DâAlessio, Beatrice Marbach, Martin Saurer: Arbeitsmaterialien fĂźr den Unterricht. (PDF) Goethe-Institut Mailand, 2004.
⢠Klaus Fieberg: Good Bye, Lenin! In: Deutschunterricht 57, Heft 3, 2004, S. 40â47.
Weblinks
⢠Good Bye, Lenin! bei IMDb
⢠Good Bye, Lenin! bei filmportal.de
⢠Webseite auf X-Verleih
⢠Website mit Essays usw. (englisch)
⢠Filmheft. Bundeszentrale fßr politische Bildung (PDF)
⢠Filmheft. (PDF) Goethe-Institut Mailand
⢠Dieter Wunderlich: Buchtipps & Filmtipps
⢠SeĂĄn Allan: Good Bye, Lenin! â Ostalgie und Identität im wieder vereinigten Deutschland (PDF)
Einzelnachweise
cite-note-fsk-11. Freigabebescheinigung fĂźr Good Bye, Lenin! Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, Januar 2003 (PDF; PrĂźfÂnummer: 92 694 K).
cite-note-jmk-22. Alterskennzeichnung fĂźr Good Bye, Lenin! JugendmedienÂkommission.
cite-note-33. â Dieter Wunderlich: Buchtipps & Filmtipps, abgerufen am 22. Oktober 2017.
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cite-note-ex-schmerz-77. â âDer Schmerz geht, der Film bleibt â das Making ofâ. Good Bye, Lenin!, Exquisit Ausgabe, 3 DVDs, 2004.
cite-note-ex-fliegen-88. â âLenin lernt fliegen â eine Dokumentation Ăźber die Entstehung der digitalen Effekteâ. Good Bye, Lenin!, Exquisit Ausgabe, 3 DVDs, 2004.
cite-note-ex-genau-99. â âGenau so warâs â eine Dokumentation Ăźber die aufwändige Recherchearbeit zu Drehbuch und Filmâ. Good Bye, Lenin!, Exquisit Ausgabe, 3 DVDs, 2004.
cite-note-t-sass-1010. â Katrin Sass: Eine Gratwanderung. In: Michael TĂśteberg (Hrsg.): Good Bye, Lenin! Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2003, ISBN 3-89602-431-0.
cite-note-ex-k-rzen-1111. â âDeleted Scenes â Gespräch zwischen Wolfgang Becker und Tom Tykwer Ăźber filmisches Erzählen und die Probleme des KĂźrzensâ. Good Bye, Lenin!, Exquisit Ausgabe, 3 DVDs, 2004.
cite-note-ex-tiersen-1212. â âJâadore le cinema â das Making of Ăźber die Aufnahme der Filmmusik mit dem Komponisten Yann Tiersenâ. Good Bye, Lenin!, Exquisit Ausgabe, 3 DVDs, 2004.
cite-note-1001f-1313. â Krizanovich, Karen: Good Bye Lenin! (2003). In: Schneider, Steven Jay, Ueberle-Pfaff, Maja (Hrsg.): 1001 Filme, die Sie sehen sollten, bevor das Leben vorbei ist. Ausgewählt und vorgestellt von 77 internationalen Filmkritikern. ZwĂślfte, aktualisierte Neuausgabe Auflage. Edition Olms, Oetwil am See 2017, ISBN 978-3-283-01243-4, S. 901.
cite-note-143. Book Release: Tacheles by Stefan Schilling (Memento des Originals vom 15. August 2019 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprßft. Bitte prßfe Original- und Archivlink gemäà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.urbanspree.com, Webseite von Urban Spree, abgerufen am 15. August 2019.
cite-note-t-t-teberg-1515. â Michael TĂśteberg: Das Leben ist eine Baustelle. In: Michael TĂśteberg (Hrsg.): Good Bye, Lenin! Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2003.
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